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Theaterfotografie von Nino Haratischwilis Schauspiel «Zorn» am Theater Freiburg

Das Schauspiel «ZORN» von Nino Haratischwili zur Zeit am Theater Freiburg im Bresigau (DE) ist eine Wucht. Ich hatte das grosse Vergnügen, mit der Kamera dabei zu sein. Hier die Bilder dazu.

Nino Haratischwilis «Zorn» ist ein äusserst sehenswertes Stück, nicht zuletzt auch wegen des Bühnenbildes von Julia Bührle-Nowikowa, mehr dazu gleich.

Das Schauspiel lebt von den einzelnen Handlungsfäden, die erst einzeln und isoliert erscheinen, im Verlauf des Stückes jedoch zunehmend zusammenfinden und immer mehr Sinn ergeben. Diese gekonnte Entwicklung der einzelnen Figuren ist spannend und lustvoll zugleich; je länger das Stück dauert, desto mehr versteht man von dem, was man bereits gesehen hat – und man bekommt Lust, das Bühnenstück gleich nochmals zu sehen.

Die Nikon d810 kam dabei zum ersten Mal bei der Bühnenfotografie zum Einsatz, dazu lesen Sie mehr in diesem separaten Beitrag.

Ein präzise geschnittenes Drama, sprachgewaltig und geschickt inszeniert

Nino Haratischwili ist für ihre kraftvolle, dichte Sprache bekannt, doch in diesem Stück wird klar, dass sie auch das Regie führende Handwerk beherrscht. Wie in einem dicht geschnittenen Musikvideo reiht sie die Szenen in einer hohen Intensität aneinander und schneidet exakt von einem Höhepunkt in den nächsten. Dies wirft einen ganz unmittelbar von der einen Emotion in eine andere – und dies in einen hohen Tempo.

Für den Zuschauer ergibt dies ein höchst spannender, emotional aufwühlender Theaterabend. Dass einige Dialoge komplett in zwei Sprachen gehalten sind, fällt nur zu Beginn auf. Wenn die wütende Polizistin Rafaela – herrlich gespielt von Johanna Eiworth – den vermeintlichen Terroristen Anton verhört, entwickelt das Zwiegespräch der Beiden eine derartige Selbstverständlichkeit, dass man kaum mehr bemerkt, dass die eine nur Deutsch und der andere nur Georgisch spricht. Abseits der Bühne verseht der georgische Schauspieler Paata Inauri tatsächlich kein Deutsch, doch er spielt seine Rolle so authentisch und überzeugend, dass dies gar nicht ins Gewicht fällt.

Das Bühnenbild erschliesst eine vierte Dimension

Das Bühnenbild von Julia Bührle-Nowikowa erweist sich als eine bildgewaltige, äusserst vielfältige Schöpfung, die im Verlauf des Abends immer interessanter wird. Im Wesentlichen besteht es aus einer grossen Spirale aus einem Metallrohr. Diese Spirale wird nun auf vielfältigste Weise bespielt, sie ist manchmal ein rein abstrakter Gedankenraum, dann wiederum nimmt sie ganz konkrete Formen an,  wird zu einem Bett, zu einem Verhörraum, zu einem Direktorenzimmer. Die Schauspieler klettern dabei auf der Spirale herum, turnen gar wie am olympischen Reck.

Auch hier ist wieder dieses Hin-und-Her zu spüren, dieses schnellen Wechsel zwischen einzelnen Zuständen. Mal erscheint das Bühnenbild wie ein materialiserter Gedanke, dann wieder übernimmt es die Funktion eines fassbaren Raumes. Die Lichtführung trägt ihren Teil dazu bei, dass so ein fast vierdimensionaler Raum entsteht.

Ich will hier ja eigentlich gar keine Kritik verfassen, die kann man auch hier in der «Badischen Zeitung» nachlesen.

Auch eine fotografische Frage: Wann ist die Szene am dichtesten?

Fotografisch war dieser Abend eine sehr schöne Herausforderung. Da ich das Stück weder kannte noch gelesen hatte, brauchte es viel Aufmerksamkeit, um die Szenen an dem Punkt in einem Bild zu fassen, an dem das Geschehen auf seinem Höhepunkt ist – «le moment décisif» liess einmal mehr grüssen.

Von der Bildkomposition her bot das Bühnenbild mit seiner dreidimensionalen Struktur eine reizvolle Herausforderung: Oft ging es nicht nur darum, das vordergründige Motiv mit seinen Schauspielern und den Elementen der Spirale spannend zu kadrieren, meist spielte sich im Hintergrund parallel eine zweite Szene ab.

Da musste man dann schnell über die Blende den Schärferaum erhöhen oder reduzieren, um je nach Szene den Hintergrund in die Komposition einfliessen zu lassen oder aber auszublenden. Es ist schön, wenn man dann dank der Kamera den nötigen technischen Spielraum dafür hat. Auch die Schattenwürfe der Figuren boten reichliche gestalterische Möglichkeiten. Noch selten hat mich bei einem Stück diese dritte Dimension fotografisch so beschäftigt.

Die d810, die ich an diesem Abend erst seit wenigen Stunden überhaupt im Einsatz hatte, hat dabei einen vollkommen überzeugenden Eindruck hinterlassen, mehr dazu in diesem eigenen technischen Bericht.

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Regie: Nino Haratischwili
Bühne: Julia Bührle-Nowikowa
Kostüme: Gunna Meyer
Licht: Mario Bubic
Musik: Maia Koberidze
Dramaturgie: Viola Hasselberg

Mit folgenden Schauspielern des Theaters Freiburg:

Rafaela: Johanna Eiworth
Adam: Victor Calero
Celia: Iris Melamed
Antonia: Marie Bonnet
Oskar: Henrik Heutmann

Mit folgenden Schauspielern des Tumanishvili Theaters (Tiflis, Georgien):

Anton: Paata Inauri
Rula: Anamaria Gurgenishvili
Martha: Nino Burduli

Musikerin: Maia Koberidze

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