Tango moves – ein Tango-Kurzfilm, gedreht mir der Nikon d800e

Wie rettet man einen Kurzfilm, der bei ganz grauenhaftem Licht gedreht wurde? Ganz einfach, man colorgradet ihn quasi ins Jenseits, und – man sorgt für einen richtig guten Ton.

Die Nikon d800e ist nicht nur eine exzellente Fotokamera, sie macht sich auch ganz gut als Video-Kamera. Allerdings ist es nicht ganz einfach, mit dem geringen Schärferaum umzugehen, gerade bei schnell bewegten Bildern.

Der Kurzfilm hier ist vor rund einem Jahr eher zufällig entstanden, er besteht aus einer einzigen Einstellung. Da dies eine spontane Zugabe war, wusste ich nicht, was mich erwartet. Zum Glück war die Kamera bereits durch eine vorgängige, sehr dunkle Szene auf einen hohen ISO-Wert eingestellt.

Bei dieser spontanen Tango-Improvisation der Prima-Ballerina Eka Robakidze und ihren schnellen Bewegungen war genügend Schärfentiefe ein absolutes Muss. Dank der High-ISO Einstellung konnte ich so schnell abblenden und den Schärferaum erhöhen. Während der Szene führte ich mit der Linken den Fokus über einen manuellen Follow-Fokus beständig nach, die rechte Hand führte den Zoom-Hebel.

Das Bild kontrollierte ich auf einem iPad, der über einen Cam Ranger als externer Monitor fungierte. Die Cam Ranger-Lösung ist für Fotografie ganz nett, bei Video ist das Problem aber, dass er nur eine stark verpixeltes Bild anzeigt, welches dann – bedingt durch das WLAN – erst noch deutlich verzögert ist. Heute verwende ich einen externen Sucher, damit lässt sich die Bildschärfe verzögerungsfrei und präziser beurteilen.

Zu Beginn der Improvisation war ich noch nicht ganz bereit, deshalb war die Kamera anfangs komplett off focus. Dies habe ich dann im Schnitt so gelöst, dass ich an dieser Stelle einfach das wunderbare Zitat von Pina Bausch einfügte.

Wie man sich aus einer miserablen Beleuchtungsituation rettet? Man macht einfach ein fast absurdes Color-Grading

Das Hauptproblem dieser Szene aber war die Beleuchtung. Im Moment von Ekas Improvisation war das einzige Licht eine schummrige Saalbeleuchtung, stimmungsloser und trister geht es nun wirklich nicht mehr. Da war nichts mehr zu machen mit Weissabgleich und sanftem Color-Grading.

Die Lösung war dann ein bewusst «anderer» Look, sehr kontrastreich, vor allem in den Details, die Farbsättigung fast runtergezogen auf monochrom. Eigentlich ein sehr grobschlächtiger Bildstil, doch – o Wunder! Plötzlich entstand ein ganz stimmungsvolles, sehr authentisches Bild.

Guter Ton, richtige Mikrofonierung: Bei der Videografie ein absolutes «Must»

Ein schlechtes Bild kann man ins Jenseits colorgraden, ein schlechter Ton aber verdirbt definitiv die gute Laune. Deshalb habe ich – wie eigentlich immer, wenn ich Filme mache – ein besonderes Augenmerk auf den Ton gelegt. Das Streichquartett im Hintergrund habe ich mit zwei Grossmembran-Nieren-Mikrofonen in ORTF-Mikrofonierung aufgenommen. Ich mag die ORTF.Mikrofonierung, sie ergibt ein sher räumliches, dreidimensionales Klangbild. Nicht zuletzt kann diese Aufstellung auch bei sehr beengten Platzverhältnissen ganz gut anbringen.

Durch die sehr nahe Mikrofonierung entstand natürlich ein sehr trockenes Klangbild, das habe ich dann im Sound-Processing durch einen sanften Hall gelöst, bis ein warmer präsenter Klang entstand.

Ein zusätzliches Kugel-Mikrofon im Raum nahm eine eigene Atmo-Spur auf. Im Mixdown mit dem Quartett-Ton ergab das eine gute Kombination von warmer, präsenter Musik und atmosphärischer Stimmung.

Fazit: Videografie mit der Nikon d800e geht besser als gedacht

Wenn man sich bei der Vollformatkamera Nikon d800e über eine High-ISO-Einstellung den nötigen blendenseitigen Spielraum holt, dann lassen sich auch schnell bewegte Szenen durchaus einfangen, und man wird mit einem fast cineastischen Look belohnt. –