NOT YET
Ein fotografisches Langzeit-Projekt aus Georgien

Die Georgier sind ein Volk, bei dem die Musik immer schon eine zentrale Rolle spielte. Schon seit Jahrhunderten ist das Land für seine reichhaltige musikalische Kultur berühmt – und bis heute bringt es immer wieder aussergewöhnliche Talente hervor. Die alten polyphonen Gesänge in den Kirchen sind nur ein Beispiel. Heute gehören Musikerinnen wie Lisa Batiashvili oder Khatia Buniatishvili zu der Elite ihrer Generation.

Ich habe mich gefragt: Warum ist das so? Wie wachsen diese Talente auf, wie sieht der Musik­unterricht? Welche Rolle spielt die Vergangenheit? Wie verbringen die jungen Leute ihr Leben, wie sieht ihr Alltag aus? Welche Wünsche haben sie, welche Träume. Wie stellen sie sich ihre Zukunft vor?

In diesem Projekt mache ich mich auf die Reise nach Antworten auf diese Fragen – nach den Wurzeln dieses kulturellen Reichtums.

Ich erzähle die Geschichte einiger Musikerinnen und Musiker der heutigen heranwachsenden Generation. Dazu begleite ich sie seit einiger Zeit mit der Kamera, bin in ihrem Leben hin und wieder ein Gast – ein Gast, den sie mit vollkommener Offenheit aufnehmen. Sie nehmen mich mit zu Ihren Freunden, zum Musikunterricht, ja gar zum persönlichen Gespräch mit ihrem Priester in der Kirche.

Gleichzeitig möchte ich ein Stimmungsbild zeichnen eines faszinierenden Landes, das irgendwo zwischen dem Nicht-mehr und dem Noch-nicht steht. In dieser Welt bewegen sich die jungen Protagonisten, voller Sehnsucht auf eine Zu­kunft in einer besseren Welt, geprägt von einer reichen und blühen­den Kultur aus der Vergangenheit.

Foto-Ausstellung 2017
Ausstellungen in Deutschland und in Georgien

Das Projekt wird 2017 erstmals öffentlich ausgestellt. Im Rahmen des Festivals Georgische Woche in Freiburg im Bresigau (Deutschland) zeige ich die Fotografien, zusammen mit einer Ausstellung der georgischen Fotografien Nino Alavidze. Danach geht die Ausstellung auf Reisen und wird im August 2017 in Tbilisi, Georgien ausgestellt. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Vernissage:

27. Mai 2017,11 Uhr
Künstlerwerkstatt L6 (Kunsthaus L6), Lameystraße 6, 79108 Freiburg im Breisgau, Deutschland

An der Vernissage sind drei Protagonisten (Tikuna, Gio und Inal) vor Ort und werden je einen Soloauftritt geben.

Hintergrund
Einige Gedanken und Hintergründe zum Projekt

Was darf Reportagefotografie?

Seit langem beschäftigt mich die Frage, wie in der Reportage-Fotografie mit dem Begriff Wahrheit umgegangen wird. Das Thema taucht regelmässig in den Medien auf – und irgendwie scheint man bei denselben Fragestellungen stehen geblieben zu sein. 

So wird immer wieder aufs neue leidenschaftlich die Frage diskutiert, ob ein Fotograf in der Bildbearbeitung die Helligkeitswerte verändern darf. Natürlich lässt sich so aus einer flauen Lichtstimmung ein dramaturgisch verdichtetes Bild erstellen – und natürlich kann man nun mit Fug und Recht darüber diskutieren, inwiefern dies eine Bildmanipulation darstellt oder nicht.

Die Karten gehören auf den Tisch – das ist mein Credo

Doch – es gibt viel wirkungsvollere Mittel der Manipulation  und die werden meist nicht diskutiert. So ist allein schon die Wahl des Bildausschnittes eines der mächtigsten Mittel überhaupt. Wer fotografiert, setzt immer einen Rahmen, einen Referenzrahmen. Damit lässt der Fotograf ganz bewusst Dinge weg – und damit lässt sich vortrefflich manipulieren. Wäre es nicht vielmehr erforderlich, ganz bewusst die Karten auf den Tisch zu legen und so Transparenz herzustellen?

Diese Überlegungen sind auch ins Projekt NOT YET eingeflossen. Mehr dazu lesen Sie hier unter Credo.

Interview mit Tamas Batiashvili

Das Projekt NOT YET taucht tief ein in Kultur und Geschichte des Landes Georgien. Mir war es deshalb wichtig, Hintergrundinformationen zu sammeln – um ein möglichst tiefes Verständnis und einen umfassenden Blick auf das Thema gewinnen zu können.

Im Jahr 2013 bekam ich die Chance, Tamas Batiashvili zu interviewen. Batiashvili ist selber Geiger und Lehrer – und in Sachen klassische Musik die Autorität im Land. Er ist Mitglied des Georgischen National-Quartetts und überschaut die Szene und deren Entwicklung in den letzten 50 Jahren wie kaum ein zweiter. Seine Tochter Lisa Batiashvili gehört heute zu den weltbekanntesten Geigerinnen.

Ein Insider erzählt, wo das Geheimnis der georgischen Musikalität herkommt

Ich hatte die Möglichkeit, einigen Unterrichtslektionen von Tamas Batiashvili beizuwohnen. Aus meiner eigenen musikalischen Erfahrung auf dem Cello kenne ich solche Unterrichtssituationen – doch noch selten hat mich ein Lehrer so unmittelbar in seinen Bann gezogen. Auch wenn ich sprachlich nicht alles verstanden hatte während seiner Lektionen – für mich waren diese Lektionen nicht nur fotografisch, sondern auch musikalisch höchst ergiebig.

Zu den Interviews mit Tamas Batiashvili geht es hier.

NOT YET
Die Protagonisten