Schwarz-Weiss-Fotografie, Digitale Dunkelkammer

Digitale Dunkelkammer – von Farbe zu Schwarz-Weiss oder: Warum Sie die Leica Monochrom vergessen sollten – oder doch nicht?

Ansel Adams reloaded – warum der Altmeister der Landschaftsfotografie heut vermutlich ein sehr glücklicher Mann wäre

Diesen Blog-Post schreibe ich exklusiv für Andi; er ist ein guter Freund von mir und wir teilen uns die Leidenschaft für Henri Cartier-Bresson, für Schwarz-Weiss-Fotografie im Allgemeinen und für Ilford-Fotolabor-Chemie im Speziellen.

Andi wollte wissen, was ich von der Leica Monochrom halte, und dies hat mich auf das Thema Digitale Dunkelkammer und Schwarz-Weiss-Umsetzung in Photoshop gebracht.

Die Leica Monochrom hat einen sehr guten Chip, aber …

Die Leica Monochrom kann mit ihrem Chip viel feiner auflösen als ein RGB-Chip, welcher konstruktionsbedingt mehr Fehler produziert. Dies ist unzweifelhaft so, doch mit einer Nikon d810 bewegt man sich von der Auflösung her in einem ähnlichen Bereich – und man hat da einen hervorragenden Autofokus zur Verfügung.

Es kommt wenig Freude auf, wenn der Chip mit feinsten Details die eigene Unzulänglichkeit in der Scharfstellung aufzeichnet. Die Leica Monochrom macht da ganz auf Purismus, natürlich kommt immer noch der gute alte Schnittbildindikator zum Einsatz. Irgendwie ist das schon fast cool, wenn man sich so der Moderne verschliesst, das hat schon auch seinen Reiz.

… ein reines SW-Bild aus der Kamera beraubt einen zahlreicher Möglichkeiten

(Ok, wieder eine gute Tat zur Erhaltung des Genitivs vollbracht …) Das Problem von reinen Schwarz-Weiss-Dateien entsteht nach der Aufnahme, in der Digitalen Dunkelkammer. Bei einer Farb-Aufnahme kann ich mit den Mitteln der Digitalen Bildbearbeitung ganz gezielt einzelne Farbtöne einem Grauwert zuordnen. Dies erlaubt es mir, ein Bild ganz gezielt zu interpretieren.

«The negative is the equivalent of the composer’s score, and the print the performance.» Ansel Adams

Wie dies genau geht, zeige ich im Video oben.

Wenn mir nun eine Kamera reine Schwarz-Weiss-Daten liefert, dann habe ich diese Möglichkeit nicht mehr. Für mich persönlich aber ist dies einer der wichtigsten Schritte der Bildbearbeitung – um diese Möglichkeit möchte ich mich nicht bringen.

Schwarz-Weiss 2.0: So steuert man die Tonwerte bei einer Leica Monochrom

Nein, wir drehen uns jetzt rein technisch nicht im Kreis, auch wenn es so aussieht. Man kann die Grauwerte bei einer digitalen Leica Monochrom tatsächlich steuern, aber nicht – wie heute üblich – nachträglich in der Digitalen Dunkelkammer, sondern so wie zu Ansel Adams Zeiten, während der Aufnahme, mit denselben guten alten Farbfiltern.

Mehr dazu lesen Sie im Blog von Børge Indergaard, hier gehts zu diesem Bericht: www.indergaard.net/2012/12/18/leica-m-monochrom-and-color-filters/

Fazit

Es ist letztendlich Geschmacksache, ob man eine rein monochrome Kamera verwenden will. Leica frönt wieder einmal dem Purismus – doch dies machen sie ganz gut. Eine technische Einschränkung kann man auch als kreative Herausforderung verstehen – und so kann man tatsächlich zu hervorragenden Fotos gelangen die man ohne diese Kamera nicht gemacht hätte.

Ich bin mir aber sicher, Ansel Adams, der Erfinder des Zonensystems, wäre heute ein sehr glücklicher Mann – Leica hin oder her!