Theaterfotografie von Christoph Schumacher, Fotograf in Zug, Zürich Luzern, Schweiz

Die Nikon d810 im Test bei der Theater-Fotografie

Wie schlägt sich die Nikon d810 bei Low-Light-Situationen im Theater? Welche Vorteile bietet sie gegenüber der Nikon d800 bzw. der d800e – sind da überhaupt markante Unterschiede feststellbar? Um es kurz zu machen: Ja!

Nachdem mir meine d800e geklaut worden war, musste ein Ersatz her. Die d810 ist das Nachfolgemodell, doch auf den ersten Blick scheint da wenig anders zu sein. Nach wie vor bringt der Chip eine Auflösung von knapp 37 Millionen Pixel, und auch im Video-Bereich ist die Auflösung mit Full HD gleich gross geblieben. Wenig Neues – auf den ersten Blick.

Der Praxistest unter harten Bedingungen – selbstverständlich mit Available Light

Nichts ist besser geeignet, die Fähigkeiten einer Kamera besser zu testen, als das reale Leben, in diesem Fall ein Abend am Theater. In früheren Zeiten, als man noch auf Film fotografierte, waren dies jeweils die delikatesten Aufträge, nirgendwo war man so am Limit oder gar darüber wie in der Theaterfotografie.

Natürlich geht es bei jeglicher Art von Bühnenfotografie darum, auf das Blitzgerät zu verzichten, es geht um Available-Light-Fotografie. Eigentlich sollte dies absolut selbstverständlich sein, doch der Vollständigkeit halber sei dies noch einmal erwähnt. Als Fotograf malt man mit Licht, man verwendet es nicht, um auf die Leute einzuprügeln.

Insbesondere folgende Faktoren sind anspruchsvoll:

  • Wenig Licht: Theaterfotografie findet oft bei sehr spärlicher Beleuchtung statt. Mitunter kann es vorkommen, dass eine Kerze die einzige Lichtquelle ist. Fotografische Konsequenz: Hohe ISO-Werte, offene Blende, lange Verschlusszeiten
  • Ohne Tele geht nichts. Da man in der Bühnenfotografie schlecht einen auf Robert Capa machen kann («If your photographs are not good enough you were not close enough»), sondern tendenziell am Bühnenrand bleibt, ist ein starkes Tele oft das Werkzeug der Wahl. Fotografische Konsequenz: Die oben genannten langen Verschlusszeiten kann man vergessen, also sind tendenziell noch höhere ISO-Werte notwendig.
  • Bühnenlicht ist schön, aber knallhart. Der Bühnenraum mit seiner tiefen Schwärze kombiniert mit den starken Scheinwerfern und weisser Kleidung der Schauspieler schafft einen Kontrastumfang, der wörtlich alles in den Schatten stellt. Oft übersteigt dieser Kontrastumfang die Möglichkeiten einer Kamera bei Weitem, dann heisst es, sorgfältig auf die Licher zu belichten. Fotografische Konsequenz: Mit Headroom in der Belichtung arbeiten.
  • Diskretion. Ein guter Fotograf ist ein dezenter Beobachter, der sich selber nicht in Szene setzt. Dies überlässt er denjenigen vor der Linse. Spiegelreflexkameras (SLRs und DSLRs gleichermassen) sind nicht gerade für ihre Ruhe bekannt. In der Theaterfotografie mag dies weniger wichtig sein, doch bei Konzertfotografie wird das Geräusch eines Auslösers mitunter zu einem grossen Problem. Man hat mich deswegen einst beinahe gelyncht … Fotografische Konsequenz: Quiet-Mode verwenden, in extremen Fällen einen Sound-Blimp einsetzen. Bei Konzertfotografie: Forte-Passagen abwarten, im Takt der Musik auslösen, dann fällt’s weniger auf und die Musiker fühlen sich weniger gestört.
  • Tempo. Theaterfotografie kann ganz schön schnell sein, und anders als bei vielen Sportarten sind viele Bewegungen völlig überraschend. Fotografische Konsequenz: Kurze Verschlusszeit, Zoom-Objektiv, vorgeplanter Pfad für schnelle Stellungswechsel vor der Bühne.
  • Volle Konzentration – volle Aufmerksamkeit für die Kunst. Der anspruchsvollste Faktor ist aber, all die oben genannten Faktoren aus dem Effeff zu beherrschen, ohne sich darüber viele Gedanken zu machen. Nur wenn das Technische ohne viel überlegen abläuft, kann es gelingen, sich ganz auf das Geschehen auf der Bühne zu konzentrieren. Fotografische Konsequenz: Auf die richtigen Dinge achten. Vordergrund vs. Hintergrund, verschiedene Handlungsstränge, Gefühl für den Höhepunkt in einer Szene, räumlich vorausdenken, Geschehen antizipieren.

Wie sich die Nikon d810 in der Theater-Fotografie schlägt

Das Fazit nach diesem Abend: Hervorragend! Die d810 ist nicht einfach eine etwas weiterentwickelte d800e, sie ist um Längen besser:

  • ISO-Empfindlichkeit und Dynamikumfang: Sie bietet einen ISO-Bereich von 64 bis 12800 ISO, im erweiterten Modus von 32 bis 51200 ISO. Sie kommt mit den harten Kontrasten des Bühnenlichtes sehr gut klar. Dies heisst, man kann sehr komfortabel mit ISO 6400 oder 12800 fotografieren, was einem auch bei wenig Licht immer noch traumhafte Verschlusszeiten und Blendenwerte ermöglicht. Dies gibt Spielraum für die Bildkomposition in der dritten Dimension, im Schärferaum.
  • Autofokus: Die Scharfstellung geht wesentlich flotter und funktioniert auch bei wenig Licht immer noch gut.
  • Schnelle Bildfolge: Die Nikon d810 macht 5 Bilder pro Sekunde, während die d800 nur auf 4 Bilder kam. Dieser Zuwachs ist erfreulich spürbar.
  • Sie ist leise! Fast das grösste Plus ist nicht zu sehen, sehr wohl aber zu hören: die Nikon d810 geht wesentlich dezenter ans Werk.
  • Längere Akku-Laufzeit: Ebenfalls geradezu auffällig ist die sehr lange Akku-Laufzeit. Die Kamera hält problemlos einen ganzen Tag mit drei Shootings mit einem Akku durch, der noc hnicht einmal neu war, sondern noch von der d800e stammte.
  • Deutlich bessere Videos. Wenngleich dies an diesem Abend nicht im Zentrum stand so sei es erwähnt: Die Videos der Nikon d810 sind schärfer und schöner als diejenigen der d800, welche ja auch schon eine sehr gute Qualität lieferte. Dank der Möglichkeit, mit 60p zu filmen, relativiert sich auch das Problem des Rolling Shutters deutlich, unter dem fast alle DSLRs leiden, da sie keinen globalen Shutter haben. Mit der doppelten Frame-Rate lässt sich das Problem aber auf ein erträgliches Mass reduzieren.

Fazit: Die Nikon d810 ist die Guarneri unter den Kameras

Natürlich hat man immer noch Wünsche, deshalb wäre es vermessen, der Nikon d810 das Prädikat der Stradivari anzuhängen, doch als eine Guarneri darf man sie wohl bezeichnen.

Wer eine hochauflösende Kamera mit exzellenten Low-Light-Eigenschaften und sehr gutem Video sucht, wird am Markt zur Zeit kaum etwas besseres finden. Mit Strassenpreisen zwischen 2500 – 3000 CHF/€ ist sie sicherlich teuer, aber bezahlbar.