Boxer udn Bildarchiv-Software: Wer gewinnt?

Welche Bilddatenbank-Software ist die Beste? The winner is …

 

Die Suche nach einer guten Bilddatenbank-Software kann eine mühselige Sache sein. Während meiner Tätigkeit als Bildredaktor an der Universität Zürich hatte ich verschiedene Systeme evaluiert. Heute habe ich eine sehr praktikable und gute Lösung im Einsatz – wenn auch eine etwas ungewöhnliche.

Anforderungen an eine Bilddatenbank-Software

Eine moderne Bilddatenbank-Software muss einige Kriterien erfüllen, hier einige Kriterien:

Effizienz, wir wollen ja nicht ewig warten, bis die Fotos in der Bildarchiv-Software drin sind. Dies heisst konkret:

  • Schnelle Verarbeitung beim Import.
  • Mehrfach-Bearbeitung der Meta-Daten sollte möglich sein, das heisst, ich kann Stichworte schnell und einfach auf grössere Mengen von Fotos anwenden, am besten schon während des Importvorgangs.
  • Rascher Zugriff auf grosse Datenbestände aus der Bilddatenbank heraus. Dies setzt ein vernünftiges Caching der einzelnen Bilder voraus.

Flexibilität ist ein weiteres wichtiges Kriterium. Die Erfahrung zeigt: Man kann auf der grünen Wiese ein noch so ausgetüfteltes Keyword oder Kategorien.-Schema ausdenken: Es wird die Realität nicht überleben. Deshalb ist Flexibilität für eine Bilddatenbank-Software eines der wichtigsten Kriterien. In der Praxis heisst dies:

  • Es gibt in der Datenbank die Möglichkeit, eine Systematik aufzubauen, die mit der Alltagssituation mitwächst.
  • Dies heisst fasst immer: Es besteht die Möglichkeit, Stichwort frei und flink vergeben zu können.
  • Im Idealfall unterstützt die Bilddatenbank-Software das Prinzip der Verschachtelung bei Kategorien und Stichworten.

Nicht zuletzt sollten die IT-spezifische Anforderungen an die Bilddatenbank-Software ins Auge gefasst werden. Es gibt zur Zeit viele Systeme am Markt, einige verlangen aber zwingend nach einem leistungsfähigen Server/Client-System. Für den täglichen Workflow sind folgende Punkte wichtig:

  • Freie Wahl des Speicherortes: Bilder können von allen möglichen Quellen aus in die Bilddatenbank eingespiesen werden. Da sollten heute auch Cloud-Dienste wie DropBox unterstützt werden.
  • Dezentrale Dateiablage, Referenzierung in der Bilddatenbank: Es gibt Bilddatenbanken, welche die Bilder selber in die Datenbank hineinholen. Davon ist heute abzuraten. Typischerweise werden die Bilder lediglich referenziert und bleiben an ihrem ursprünglichen Speicherort.
  • Metadaten gehören ins Bild hinein. Im Idealfall ist sämtliche Meta-Information, also auch Kategorien, Stichworte, etc. im Bild selber gespeichert. So bleiben sie erhalten wenn das Bild weitergegeben wird.

… and the winner is: Adobe Lightroom!

Vielleicht überrascht Sie diese Anwort, denn Adobe Lightroom ist ja nicht gerade bekannt als Bilddatenbank-Software. Vielmehr verwenden es die meisten als RAW-Converter oder als Bildbearbeitungs-Software.

Wenn wir aber Adobe Lightroom etwas anders nutzen, im «Off-Label-Use» sozusagen, entsteht eine sehr leistungsfähige und vielseitige Bilddatenbank-Software.

Das Grundkonzept ist das folgende:

  • Wir verwenden die normalen XMP-Metadaten
  • Lightroom kann diese sehr elegant verwalten, kann sie sogar verschachteln
  • So haben wir komplette Flexibilität, Wir können uns ein beliebiges Kategorien-Schema oder Stichwort-Schema bauen. Auch mehrdimensionale Taxonomien lassen sich abbilden.
  • Lighroom verwendet dafür das XMP-Metadaten-Feld «Stichworte»
  • Wichtig zu verstehen: Die Verschachtelung ist nur innerhalb von Lightroom möglich. Sie bleibt erhalten, solange man sich in Lightroom bewegt. Das Metadatenfeld «Stichworte» allerdings speichert nur eine simple Keyword-Liste.
  • Schon beim Import lassen sich beliebige Keywords erfassen, seien es nun neue oder bereits existierende.
  • Auch nachträglich lassen sich grosse Datenbestände sehr rasch verschlagworten.
  • Ich kenne schlichtwegs keine andere Bilddatenbank-Software, in der dies so schnell und unkompliziert möglich ist.
Bilddatenbank-Software: Metadaten in Photoshop

Das Metadatenfeld «Stichwörter» wird von Lighroom genutzt. Damit lässt sich eine komplette Bilddatenbank realisieren, auch wenn Adobe Lighroom unrsprünglich nicht als Bilddatenbank-Software gedacht war.

Bilddatenbank-Software: Bibliotheksfilter in Lightroom

Der Bibliotheksfilter von Adobe Lightroom ist ein überraschend mächtiges Werkzeug.

 

Um den Bildbestand zu verwalten müssen wir Lightroom etwas anpassen, nun kommt quasi der «Off-Label-Use»

  • Für die Suche im Bildbestand nutzen wir den Bibliotheksfilter von Adobe Lightroom.
  • Wir stellen ihn auf «Metadaten»
  • Bei den Spalten kann man nun aus einem kleinen Dropdown-Menü auswählen, was man sich anzeigen lassen möchte.
  • Wir stellen jede Spalte nun auf «Stichwort»
  • Was nun entstanden ist, ist ein Filer, welcher mir stufenweise meine Bilder gemäss den Metadaten-Stichwörtern filtert.
  • So lassen sich auch grosse Bildbestände rasch und einfach sichten.

Nicht nur die Bilddatenbank-Software zählt – die richtige Struktur ist für ein gutes Bildarchiv ebenso wichtig

Es ist das eine, die richtige Bilddatenbank-Software zu finden und sich mit deren Gebrauch bekannt zu machen. Ein anderes Ding aber ist es, die richtige Struktur zu schaffen. Dies sollten Sie nicht unterschätzen, hier lohnt es sich, das Projekt erst einmal systematisch zu planen, Sie werden später massiv davon profitieren.